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Misanthropie

Misanthropie ist der allgemeine Hass, die Abneigung, das Misstrauen oder die Verachtung gegenüber der Menschheit, dem menschlichen Verhalten oder der menschlichen Natur. Ein Misanthrop ist jemand, der solche Ansichten oder Gefühle hat. Der Ursprung des Wortes geht auf die altgriechischen Wörter μῖσος (mīsos, „Hass“) und ἄνθρωπος (ānthropos, „Mensch“) zurück. Misanthropie wird deshalb auch manchmal mit Menschenhass oder Menschenfeindlichkeit gleichgesetzt. Sie beinhaltet eine negativ wertende Haltung gegenüber der Menschheit, die auf einem negativen Urteil über die Makel der Menschheit beruht. Diese Makel werden als allgegenwärtig angesehen, d. h. sie sind bei fast allen Menschen zu einem ernsthaften Grad vorhanden und nicht nur bei einigen wenigen Extremfällen. Sie gelten auch als fest verwurzelt, was bedeutet, dass es entweder keinen oder keinen einfachen Weg gibt, sie zu beheben, ohne dass die vorherrschende Lebensweise dabei vollständig verändert würde.


Zu den wichtigsten Makeln, die Misanthropen anführen, gehören intellektuelle Makel, moralische Makel und ästhetische Makel. Intellektuelle Makel, wie Wunschdenken, Dogmatismus, Dummheit und kognitive Verzerrungen, führen zu falschen Glaubenshaltungen, behindern das Wissen oder verstoßen gegen die Anforderungen der Rationalität. Moralische Makel, wie Grausamkeit, Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer, Egoismus und Feigheit, werden oft mit Tendenzen zur Förderung des Schlechten oder mit unangemessenen Einstellungen gegenüber Werten identifiziert. Ästhetische Makel betreffen die Hässlichkeit und umfassen hässliche Aspekte des menschlichen Lebens, durch menschliche Aktivitäten verursachte Hässlichkeit und mangelnde Sensibilität für das Schöne. Die Befürworter der Misanthropie konzentrieren sich häufig auf moralische Makel und nennen verschiedene Beispiele für deren Erscheinungsformen, wie Massentötungen, Massentierhaltung und Umweltverschmutzung. Die Gegner reagieren darauf mit dem Hinweis, dass schwerwiegende moralische Makel nur bei einigen wenigen psychisch Kranken oder unter extremen Umständen auftreten, was von Misanthropen bestritten wird. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt für Argumente, die auf Makeln basieren, ist, dass sie nur eine Seite der Menschheit hervorheben, während wertende Haltungen alle Seiten berücksichtigen sollten. Andere Argumente gegen die Misanthropie beruhen nicht darauf, ob diese Haltung den negativen Wert des Menschen angemessen widerspiegelt, sondern auf den Kosten, die die Annahme einer mit Hass verbundenen Haltung für den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt mit sich bringt. Die Befürworter haben darauf geantwortet, indem sie aufzeigen, wie eine misanthropische Perspektive zu verschiedenartigen Lebensformen führen kann. Während einige von ihnen auf Hass basieren und zu Gewalt führen können, konzentrieren sich andere mehr auf Angst und die Vermeidung des negativen Einflusses. Weitere Alternativen sind Resignation und Aktivismus, der von der Hoffnung auf eine radikale Veränderung angetrieben wird.


Misanthropie kommt in verschiedenen Werken der Kunst und der Philosophie vor. Sie ist eng verwandt, aber nicht identisch mit dem philosophischen Pessimismus, der eine negative Einstellung nicht nur gegenüber der Menschheit, sondern gegenüber dem Leben als Ganzes beinhaltet. Misanthropische Erwägungen wurden als Argument für den Antinatalismus angeführt, die Ansicht, dass das Entstehen von menschlichem Leben schlecht ist und dass der Mensch daher die Pflicht hat, sich der Fortpflanzung zu enthalten.


Definition


Misanthropie (ein Wort aus dem 17. Jahrhundert, vom griechischen misanthrōpos)[1] wird traditionell als Hass oder Misstrauen gegenüber der Menschheit definiert.[2][3][4] Aber es wurde in der zeitgenössischen Philosophie argumentiert, dass diese Charakterisierung nicht auf all diejenigen passt, die als Misanthropen bezeichnet werden. Aus dieser Sicht sieht eine umfassendere Definition Misanthropie als eine negative Bewertung der Menschheit als Ganzes, die auf den Lastern und Makeln der Menschheit beruht.[5][6] Diese negative Bewertung kann sich in verschiedenen Formen äußern, wobei Hass nur eine davon ist. In diesem Sinne hat Misanthropie eine kognitive Komponente: Ihre negative Haltung gegenüber der Menschheit beruht auf einem negativen Urteil über die Menschheit, sie ist nicht nur eine blinde Abneigung.[5][6][7]


Ein wichtiger Aspekt aller Formen von Misanthropie ist, dass ihr Ziel nicht lokal, sondern allgegenwärtig (ubiquitous) ist. Die negative Einstellung richtet sich also nicht nur gegen einzelne Personen oder Personengruppen, sondern gegen die Menschheit als Ganzes.[8][9] Dies unterscheidet Misanthropen von Gruppen wie Rassisten, Frauenfeinden und Männerfeinden, die eine negative Einstellung gegenüber bestimmten Rassen bzw. Geschlechtern haben.[7][9] Diese Formen der Diskriminierung und Intoleranz sind also keine allgemeinen Merkmale von Misanthropen.[7] Sowohl Misanthropen als auch ihre Kritiker sind sich einig, dass negative Eigenschaften und Makel nicht gleichmäßig verteilt sind, d. h. dass Laster und schlechte Charakterzüge bei einigen viel stärker ausgeprägt sind als bei anderen. Die negative Einschätzung der Menschheit durch Misanthropen beruht jedoch nicht auf einigen wenigen extremen und herausragenden Fällen: Sie ist eine Verurteilung der Menschheit als Ganzes, einschließlich der gewöhnlicheren Fälle.[5][6] Aufgrund dieser Ausrichtung auf das Gewöhnliche wird manchmal behauptet, dass die Makel offensichtlich und unübersehbar sind, aber dass Menschen aufgrund intellektueller Makel dazu neigen, sie zu ignorieren oder sie sogar als Tugenden anzupreisen.[10] Manche sehen die Makel als Teil der menschlichen Natur als solcher.[10] Andere wiederum stützen ihre Ansicht auch auf nicht wesentliche Makel, d. h. auf das, was aus der Menschheit geworden ist. Dazu gehören auch Makel, die als Symptome der modernen Zivilisation im Allgemeinen angesehen werden. Beide Gruppen sind sich jedoch darin einig, dass die betreffenden Makel „fest verwurzelt“ (entrenched) sind: Es gibt entweder keinen oder keinen einfachen Weg, sie zu beheben, es wäre nichts Geringeres als eine vollständige Transformation der vorherrschenden Lebensweise erforderlich, wenn dies überhaupt möglich ist.[6][11]


Formen menschlicher Makel


Ein Kernaspekt der Misanthropie ist, dass ihre negative Haltung gegenüber der Menschheit auf menschlichen Makeln beruht.[12][5] Verschiedene Misanthropen haben umfangreiche Listen von Makeln erstellt, darunter Grausamkeit, Gier, Egoismus, Verschwendungssucht, Dogmatismus, Selbsttäuschung und Unempfindlichkeit gegenüber Schönheit. Diese Makel können auf verschiedene Weise kategorisiert werden. Traditionelle religiöse Texte neigen dazu, sich auf spirituelle Makel wie Unfrömmigkeit zu konzentrieren. In der zeitgenössischen akademischen Literatur zu diesem Thema liegt der Schwerpunkt jedoch eher auf intellektuellen Makeln, moralischen Makeln und ästhetischen Makeln.[12][9] Während alle diese Formen ein gewisses Gewicht haben, um eine misanthropische Perspektive zu rechtfertigen, wird oft angenommen, dass moralische Makel die schwerwiegendsten sind, beispielsweise in Bezug auf die menschliche Behandlung von Tieren.[8][13][5]


Intellektuelle Makel betreffen unsere kognitiven Fähigkeiten. Sie können definiert werden als das, was zu falschen Glaubenshaltungen führt, was das Wissen behindert oder was gegen die Anforderungen der Rationalität verstößt.[14][15][16] Dazu gehören intellektuelle Laster wie Arroganz, Wunschdenken, Dogmatismus, Dummheit und Leichtgläubigkeit sowie kognitive Verzerrungen wie die Bestätigungsverzerrung, die selbstwertdienliche Verzerrung, der Rückschaufehler und der Ankereffekt. Intellektuelle Makel können Hand in Hand mit allen möglichen Lastern zusammenwirken: Sie können jemanden darüber täuschen, dass er ein bestimmtes Laster hat, und ihn dadurch daran hindern, sich damit auseinanderzusetzen und sich zu verbessern. Ein grausamer Mensch zum Beispiel kann sich aufgrund von Wunschdenken einreden, dass er nicht grausam, sondern standhaft ist.[9] Ähnliche Überlegungen haben einige Traditionen dazu veranlasst, intellektuelle Makel wie Unwissenheit als die Wurzel allen Übels anzusehen.[17][18][19]


Der gebräuchlichere Ansatz in der misanthropischen Literatur besteht jedoch darin, die schwerwiegendsten Makel der Menschheit auf der moralischen Ebene zu verorten.[8] Moralische Laster werden oft mit Tendenzen zur Förderung des Schlechten oder mit unangemessenen Einstellungen gegenüber Werten gleichgesetzt.[16][20] Dazu gehören Grausamkeit, Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer, Egoismus, moralische Faulheit, Feigheit, Ungerechtigkeit, Gier und Undankbarkeit. Der durch diese Laster verursachte Schaden kann in drei Kategorien eingeteilt werden: Schaden, der anderen Menschen direkt zugefügt wird, Schaden, der Tieren direkt zugefügt wird, und Schaden, der sowohl Menschen als auch Tieren indirekt zugefügt wird, indem die Umwelt geschädigt wird. Entsprechende Beispiele für diese Kategorien sind der Holocaust, die Massentierhaltung und die den Klimawandel verursachende Umweltverschmutzung.[8]


Ästhetischen Makeln wird in der Regel nicht die gleiche Bedeutung beigemessen wie moralischen und intellektuellen Makeln, sie haben jedoch auch ein gewisses Gewicht bei misanthropischen Überlegungen. Diese Makel beziehen sich auf Schönheit und Hässlichkeit. Sie betreffen hässliche Aspekte des menschlichen Lebens selbst, wie die Defäkation oder das Altern, durch menschliche Aktivitäten verursachte Hässlichkeit, wie Umweltverschmutzung und Vermüllung, sowie unangemessene Einstellungen gegenüber ästhetischen Aspekten, wie die Unempfindlichkeit gegenüber Schönheit.[8][6][9]


Argumente dafür und dagegen


Es wurden verschiedene Argumente für und gegen die Annahme einer misanthropischen Perspektive vorgebracht. Die Befürworter konzentrieren sich in der Regel auf verschiedene Formen menschlicher Makel, wie sie im letzten Abschnitt erörtert wurden, zusammen mit Beispielen dafür, wie sie ihren negativen Einfluss ausüben.[6][8][9] Die Gegner reagieren auf solche Beispiele oft mit dem Hinweis, dass es sich dabei um extreme individuelle Ausprägungen menschlicher Makel handelt, die entweder bei psychisch kranken Tätern oder bei normalen Menschen unter extremen Umständen auftreten und die nicht auf die Menschheit als Ganzes zutreffen, weshalb sie die misanthropische Haltung nicht rechtfertigen können.[5] Obwohl es zwar Fälle extremer menschlicher Brutalität gibt, wie die von Mao Zedong oder Joseph Stalin begangenen Massentötungen, reicht die Auflistung solcher Fälle aber nicht aus, um die Menschheit als Ganzes zu verurteilen.[8] Misanthropen haben auf diese Art von Argumenten auf unterschiedliche Weise reagiert. Einige sind der Meinung, dass die zugrundeliegenden Makel in allen Menschen vorhanden sind, auch wenn sie nur bei einigen wenigen ihre extremste Form der Ausprägung erreichen.[5] Andere weisen darauf hin, dass viele normale Menschen an ihrer Manifestation mitschuldig sind, indem sie beispielsweise die politischen Führer unterstützen, die diese Verbrechen begehen, auch wenn sie sie nicht direkt selbst begehen.[8] Ein anderer Ansatz besteht darin, sich nicht auf die großen Extremfälle zu konzentrieren, sondern auf die gewöhnlichen, kleineren Erscheinungsformen menschlicher Makel, wie zu lügen, zu betrügen, Versprechen zu brechen oder undankbar zu sein.[8][21]


Ein anderes Problem für Argumente, die auf menschlichen Makeln beruhen, besteht darin, dass sie nur eine Seite der Menschheit darstellen, während wertende Einstellungen alle Seiten berücksichtigen sollten. Es könnte also der Fall sein, dass Menschen trotz sehr schwerwiegender Laster auch ebenso wichtige Tugenden besitzen, die ihre Unzulänglichkeiten ausgleichen.[8] Auch wenn es schwierig ist, solche Vergleiche im großen Maßstab anzustellen, haben Misanthropen argumentiert, dass zumindest für wichtige Teilbereiche, wie die Behandlung von Tieren durch den Menschen, die Waage eindeutig gegen den Menschen geneigt ist.[8][6]

Einige Argumente gegen Misanthropie stützen sich nicht darauf, ob diese Haltung den negativen Wert des Menschen angemessen widerspiegelt, sondern auf die Kosten, die die Annahme einer solchen Haltung für den Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt mit sich bringt. Dies ist insbesondere dann relevant, wenn Misanthropie mit einem Hass auf die Menschheit in Verbindung gebracht wird, der leicht in Gewalt gegen soziale Einrichtungen und andere Menschen ausarten und viel Schaden anrichten kann.[22] Bezüglich des misanthropischen Individuums wurde argumentiert, dass Misanthropie den Menschen unglücklich und freundlos macht und uns dadurch der meisten Freuden beraubt.[23] Die Befürworter haben darauf hingewiesen, dass Misanthropie nicht zwangsläufig mit Hass, Gewalt und Freudlosigkeit verbunden ist, d. h. dass es verschiedene andere misanthropische Lebensformen gibt, die diese Argumente vermeiden.[5][7]


Misanthropische Lebensformen


Misanthropie beruht zwar auf einem negativen Urteil über die Menschheit, beschränkt sich aber nicht nur auf eine theoretische Meinung.[6][5] Vielmehr handelt es sich um eine wertende Haltung, die eine praktische Antwort erfordert. Dies wird in verschiedenen Lebensformen verwirklicht, die mit unterschiedlichen vorherrschenden Emotionen und verschiedenen praktischen Konsequenzen für die Lebensführung einhergehen.[24] Diese Reaktionen auf Misanthropie werden manchmal durch vereinfachte Prototypen dargestellt, die möglicherweise zu grob sind, um das geistige Leben einer einzelnen Person genau zu erfassen, sondern stattdessen darauf abzielen, die Gemeinsamkeiten der Haltungen verschiedener Gruppen von Misanthropen darzustellen. Die beiden Reaktionen, die am häufigsten mit Misanthropie in Verbindung gebracht werden, sind Zerstörung und Flucht.[5] Dem zerstörerischen Misanthropen wird nachgesagt, dass er von einem Hass auf die Menschheit getrieben wird und darauf abzielt, sie niederzureißen, wenn nötig mit Gewalt.[9][24] Für den fluchtgeneigten Misanthropen ist Angst die vorherrschende Emotion, die ihn dazu bringt, einen abgeschiedenen Ort aufzusuchen, um den verderblichen Kontakt mit der Zivilisation und der Menschheit so weit wie möglich zu vermeiden.[7] In der zeitgenössischen misanthropischen Literatur wurden auch zwei andere, weniger bekannte Arten misanthropischer Lebensstile identifiziert: die aktivistische und die quietistische Reaktion.[5] Der aktivistische Misanthrop wird trotz seiner negativen Einschätzung der Menschheit von Hoffnung angetrieben. Diese Hoffnung beruht auf der Vorstellung, dass es für die Menschheit möglich und machbar ist, sich selbst zu verändern, und der Aktivist arbeitet aktiv auf dieses Ideal hin.[9] Der quietistische Misanthrop hingegen hat eine pessimistischere Einstellung zu dem, was der Einzelne tun kann, um diesen Wandel herbeizuführen. Im Gegensatz zu den radikaleren Ausprägungen der anderen genannten Reaktionen hat er sich damit abgefunden, die Situation stillschweigend hinzunehmen und sie im kleinen Rahmen zu vermeiden.[24][5]


Philosophie


Immanuel Kant verurteilte in seiner Allgemeinen Anmerkung zur Exposition der ästhetischen reflektierenden Urteile die Misanthropie:

„Dagegen ist Menschen zu fliehen, aus Misanthropie, weil man sie anfeindet, oder aus Anthropophobie (Menschenscheu), weil man sie als seine Feinde fürchtet, teils hässlich, teils verächtlich.“

Arthur Schopenhauer äußerte sich häufiger in misanthropischer Weise, etwa im Stachelschwein-Gleichnis:

„So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.“


Kunst


In der Literatur wurde Misanthropie unter anderem von den Dramatikern Menandros (Dyskolos, deutsch Der Griesgram oder Der Menschenfeind), Shakespeare (Timon of Athens, deutsch Timon von Athen), Molière (Le Misanthrope, deutsch Der Menschenfeind) und Schiller (Der versöhnte Menschenfeind) behandelt, ebenso etwa von dem Satiriker Lukian von Samosata (Timon). Auch die ersten Romane Thomas Bernhards, vor allem Frost und Verstörung, sind in ihren Grundzügen und Betrachtungen der Umwelt tief misanthropisch. Der norwegische Autor Matias Faldbakken veröffentlichte mit seinen Werken Cocka Hola Company, Macht und Rebel und Unfun seine Skandinavische Misantrophie-Trilogie.


Verwandte Begriffe


Philosophischer Pessimismus


Misanthropie ist eng mit dem philosophischen Pessimismus verwandt, aber nicht identisch mit diesem. Der philosophische Pessimismus ist die Ansicht, dass das Leben als Ganzes nicht lebenswert ist oder dass die Welt im Allgemeinen ein schlechter Ort ist, beispielsweise weil sie sinnlos und voller Leid ist.[25][26] Diese Ansicht wird vielleicht am besten von Arthur Schopenhauer verkörpert.[27] Der philosophische Pessimismus geht oft mit Misanthropie einher, indem die Ansicht vertreten wird, dass die Menschheit ebenfalls schlecht und vielleicht mitverantwortlich für die Schlechtigkeit der Welt ist. Aber die beiden Ansichten schließen einander nicht zwingend ein und können daher getrennt voneinander vertreten werden.[5][6] Ein nicht-misanthropischer Pessimist kann zum Beispiel behaupten, dass die Menschen nur Opfer einer schrecklichen Welt sind, aber nicht daran schuld sind. Öko-Misanthropen hingegen können behaupten, dass die Welt und ihre Natur wertvoll sind, wenn sie nicht unter dem negativen, zerstörerischen Einfluss der Menschheit stehen.[5][28]


Antinatalismus


Antinatalismus ist die Ansicht, dass das Entstehen von menschlichem Leben schlecht ist und dass der Mensch daher die Pflicht hat, sich der Fortpflanzung zu enthalten.[29][8] Ein wichtiges Argument für den Antinatalismus ist das misanthropische Argument. Es sieht die tiefgreifenden Makel des Menschen und seine Tendenz, sowohl anderen Menschen als auch Tieren Schaden zuzufügen, als Grund dafür an, es zu vermeiden, weitere Menschen zu erschaffen. Zu diesen Schäden gehören Kriege, Völkermorde, Massentierhaltung und Umweltzerstörung. Dieses Argument steht im Gegensatz zu philanthropischen Argumenten, die sich auf das künftige Leid des Menschen konzentrieren, dessen Entstehung bevorsteht.[8][30]



Literatur


Übersichtsdarstellungen


René Bloch: Misanthropia. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Band 24, Hiersemann, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7772-1222-7, Sp. 828–845

Hanns Huning: Misanthropie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 5, Schwabe, Basel 1980, Sp. 1402–1408


Untersuchungen


Karim Akerma: Verebben der Menschheit? Neganthropie und Anthropodizee. Alber, Freiburg im Breisgau/München 2000, ISBN 978-3-495-47912-4.

Matt Cartmill: Das Bambi-Syndrom. Jagdleidenschaft und Misanthropie in der Kulturgeschichte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-55566-2.

Friedrich-Karl Praetorius: Reisebuch für den Menschenfeind. Die Freuden der Misanthropie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-38703-0.

Wendelin Schmidt-Dengler, Martin Huber (Hrsg.): Statt Bernhard. Über Misanthropie im Werk Thomas Bernhards. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1987, ISBN 3-7046-0082-2.

Bernhard Sorg: Der Künstler als Misanthrop. Zur Genealogie einer Vorstellung (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte, Band 51). Niemeyer, Tübingen 1989, ISBN 3-484-32051-6 (zur Misanthropie als Motiv bei Shakespeare, Molière, Thomas Bernhard, Friedrich Schiller und Arno Schmidt).

Friederike Wursthorn: Der Misanthrop in der Literatur der Aufklärung. Rombach, Freiburg im Breisgau/Berlin/Wien 2013, ISBN 978-3-7930-9733-4 (zugleich Dissertation, Universität Freiburg im Breisgau)


Einzelnachweise


1) misanthropy | Origin and meaning of misanthropy by Online Etymology Dictionary (en) In: www.etymonline.com. Abgerufen am 21. Juli 2021.

2) Definition of MISANTHROPY (en) In: www.merriam-webster.com. Abgerufen am 5. Juli 2021.

3) Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company: The American Heritage Dictionary entry: misanthropy. In: www.ahdictionary.com. Abgerufen am 5. Juli 2021.

4) Duden: Misanthrop (de) In: www.duden.de. Abgerufen am 1. August 2021.

5) Ian James Kidd: Philosophical Misanthropy. In: philosophynow.org. Nr. 139, 2020.

6) David E. Cooper: Animals and Misanthropy. Routledge, 2018, 1. Misanthropy (google.com).

7) Derek Edyvane: Rejecting Society: Misanthropy, Friendship and Montaigne. In: Res Publica. 19, Nr. 1, 2013, S. 53–65. doi:10.1007/s11158-012-9206-2.

8) David Benatar: Permissible Progeny?: The Morality of Procreation and Parenting. Oxford University Press, ISBN 978-0-19-937814-2, The Misanthropic Argument for Anti-natalism (universitypressscholarship.com).

9) Ian James Kidd: Philosophical Misanthropy (en) 2020.

10) Ian James Kidd: Review of David E. Cooper, "Animals and Misanthropy" (Routledge, 2018). In: Philosophy. September.

11) Ian James Kidd: The Moral Psychology of Hate. Lanham and London: Rowman & Littlefield, Misanthropy and the Hatred of Humankind (philpapers.org).

12) David E. Cooper: Animals and Misanthropy. Routledge, 2018, 4. Human failings (google.com).

13) David E. Cooper: Animals and Misanthropy. Routledge, 2018, 6. Treatment of animals (google.com).

14) B. J. C. Madison: On the Nature of Intellectual Vice. In: Social Epistemology Review and Reply Collective. 6, Nr. 12, 2017, S. 1–6.

15) P. Litvak, J. S. Lerner: The Oxford Companion to Emotion and the Affective Sciences. Oxford University Press, 2009, Cognitive Bias (philpapers.org).

16) Thomas Hurka: Routledge Encyclopedia of Philosophy. Routledge, 2020, Virtues and vices (routledge.com).

17) R. Hackforth: Moral Evil and Ignorance in Plato's Ethics. In: Classical Quarterly. 40, Nr. 3–4, 1946, S. 118–. doi:10.1017/S0009838800023442.

18) Sangeetha Menon: Vedanta, Advaita. In: Internet Encyclopedia of Philosophy. Abgerufen am 3. Juli 2021.

19) Nyanatiloka Mahathera: Karma and Rebirth. Buddhist Publ. Society, 1964 (englisch, accesstoinsight.org).

20) Thomas Hurka: Vices as Higher-Level Evils. In: Utilitas. 13, Nr. 2, 2001, S. 195–212. oi:10.1017/s0953820800003137.

21) Ian James Kidd: Humankind, Human Nature, and Misanthropy. In: Metascience. 29, Nr. 3, 2020, S. 505–508. doi:10.1007/s11016-020-00562-8.

22) Shannon McGraw: MISANTHROPY AND CRIMINAL BEHAVIOR. 2014, 1. Introduction (core.ac.uk [PDF]).

23) Judith N. Shklar: Ordinary Vices. Belknap Press of Harvard University Press, 1984, 5. Misanthropy (philpapers.org).

24) David E. Cooper: Animals and Misanthropy. Routledge, 2018, 8. Responding to misanthropy (google.com).

25) Cameron Smith: Philosophical Pessimism: A Study In The Philosophy Of Arthur Schopenhauer. 2014, Introduction (philpapers.org).

26) Scott Jenkins: The Pessimistic Origin of Nietzsche’s Thought of Eternal Recurrence. In: Inquiry: An Interdisciplinary Journal of Philosophy. 63, Nr. 1, 2020, S. 20–41. doi:10.1080/0020174x.2019.1669976.

27) Jordi Fernández: Schopenhauer’s Pessimism. In: Philosophy and Phenomenological Research. 73, Nr. 3, 2006, S. 646–664.

28) Lisa Gerber: What is So Bad About Misanthropy?. In: Environmental Ethics. 24, Nr. 1, 2002, S. 41–55.

29) Thaddeus Metz: Contemporary Anti-Natalism, Featuring Benatar's Better Never to Have Been. In: South African Journal of Philosophy. 31, Nr. 1, 2012, S. 1–9. doi:10.1080/02580136.2012.10751763.

30) David Benatar: ‘We Are Creatures That Should Not Exist’: The Theory Of Anti-Natalism (en) In: The Critique. 15. Juli 2015. Abgerufen am 4. Juli 2021.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Misanthropie. Abgerufen am 27.09.2021)

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