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Nervenstark!

Kenne, was dich schwach macht. Konzentriere dich auf das, was dich stark macht!

Weg von der "psychischen Störung" - hin zur Wertschätzung besonderer Gaben!

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Gibt es überhaupt psychische Krankheiten?

Posted on July 28, 2021 at 11:55 AM

Eine provozierende Frage. Vielleicht in gewisser Weise auch eine berechtigte Frage?

 

Wann ist man überhaupt "krank"? Oft werden Kriterien wie persönliches Leid etc. hierzu herangezogen. All diese Kriterien stehen aber auf wackligen Füßen und eröffnen manchmal mehr Fragen als sie beantworten.

 

Ja, manche Menschen heben sich hinsichtlich ihrer seelischen Verfassung vom Rest der Bevölkerung ab. Ja, das kann man auch mit bildgebenden Verfahren in ihren Gehirnen feststellen. Und? Ohne solche Menschen hätte es wohl nie die Evolution mit den heutigen Ergebnissen gegeben. Wer sich etwa besonders leicht ängstigt, ist vielleicht auch weitaus erfinderischer, um sein Leben zu bewältigen - und kommt so auf Ideen, die Otto Normallverbraucher nie gehabt hätte.

 

Selbst Krankheiten wie Depressionen müssen eventuell nicht unbedingt behandlungsbedürftige Störungen sein. Ist ein "Depressiver" noch krank, wenn er allein im Wald steht? Möglicherweise ist die Depression ja weniger eine Krankheit als vielmehr eine notwendige Auszeit, die Körper und Seele in dem Moment brauchen - so wie wir nachts den Schlaf brauchen!

Selbst Menschen mit Angsterkrankungen brauchen vielleicht weniger Konfrontationen und Expositionen, die kurzfristig Symptome lindern, mittel- und langfristig aber zu einer ungewollten, festen neuronalen Vernetzung von Reiz und Reaktion führen könnten und dabei doch die Ursache des Leidens nicht berücksichtigen. Dies sucht sich dann eventuell andere Ventile...

Dementsprechend könnten diese Menschen einfach etwas ganz anderes brauchen: Ruhe, Reizreduktion und die Möglichkeit, ihre ganz besonderen Gaben und Talente mit (!) ihrer besonderen psychischen Verfassung ausleben zu können!

 

Hier geht es nicht um "Vermeidung", sondern um etwas ganz anders.

 

Bisher werden psychische Krankheiten gemäß dem Klassifizierungssystem ICD-10 (demnächst ICD-11) diagnostiziert. Dies ordnen bestimmte Symptome bestimmten Krankheitsbezeichnungen zu, die dann als Basis für eine Therapie - und die Abrechnung mit den Krankenkassen dienen. In der Regel also eine defizitorientierte Diagnostik, die diese Symptome als etwas Negatives sieht. Möglicherweise ist das aber die völlig falsche Herangehensweise!

 

Nein, ich rate niemanden, sich den Gang zum Psychiater oder zur Psychotherapeutin zu sparen, wenn er oder sie "Krankheitssymptome" aufweist. Ihr sollt auch nicht aufhören, eure Medikamente zu nehmen.

 

Was ich aber behaupte, ist nichts Geringeres als dass dieses ganze System auf völlig falschen Annahmen beruht und einer radikal anderen Sichtweise bedarf. Nicht irgendwann, sondern jetzt.

Erfahrungen mit Psychotherapeuten

Posted on July 20, 2021 at 8:00 PM

Ich habe in der letzten Zeit testweise einige Psychotherapeutinnen und -therapeuten in München angeschrieben, deren Kontaktdaten auf einschlägigen Portalen oder auf deren eigenen Homepages zu finden waren. Einige hatten den Hinweis, dass es Wartezeiten geben könne, wenige verwiesen darauf, dass sie momentan niemanden annehmen. Ich also fleißig die kontaktiert, die sich zur Verfügung stellten. Ergebnis: 100% Absagen. Einer meinte sogar er würde auf absehbare Zeit niemanden nehmen, obwohl auf der Homepage stand, es würden Patienten angenommen. Letzteres wirkte auf mich ganz einfach unverschämt.

Service- und Kundenorientierung ist für manche offenbar noch ein Fremdwort.

Kann es sein, dass es diesen Herren und Damen, die laut eigener Aussage mit Kassen abrechnen, viel zu gut geht und man eine radikale Reform auf diesem Gebiet angehen sollte?

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, ich hatte nie das Gefühl, dass es hier irgendeine Qualitätskontrolle gibt. Mittlerweile habe ich selbst genügend Aus- und Fortbildungen in dieser Richtung absolviert um sagen zu können hier gibt es viele schwarze Schafe, die plan- und ziellos plappern und deren "Therapie" bestenfalls nichts bringt. Schade um die, die ihren Beruf lieben und qualifiziert arbeiten.

Betroffenen kann ich nur raten, die Hoffnung nicht aufzugeben, weiterzusuchen (und nicht den Erstbesten zu nehmen) und sich auch über die Qualifikationen, Erfahrungen sowie die Bewertungen von Therapeutinnen und Therapeuten zu informieren.

Konfrontationstherapie - der goldene Standard?

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Die Konfrontationstherapie gilt ja as der goldene Standard bei Angst- und Zwangsstörungen. Meine Erfahrungen mit ihr sind jedoch zwiespältig. Werden Expositionsübungen richtig durchgeführt (wenn man also in die Anspannung hineingeht - vielleicht sogar bis zum "flooding"), kann man so den betroffenen Hirnarealen offenbar durchaus beibringen, dass die übertriebene Alarmreaktion unnötig war, sodass in ähnlichen Situationen die Anspannung heruntergefahren wird. Das Hirn schüttet Schritt für Schritt weniger Stresshormone aus. Es scheint auch Hinweise dafür zu geben, dass dies nicht nur symptomatisch wirkt, sondern ursächlich etwas bewirkt.

So die Theorie. Die will ich auch keineswegs bestreiten. Diese Form der Theorie ist meiner Erfahrung nach durchaus nützlich, hilfreich und sinnvoll.

Wo meine Kritik - basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und Erlebniswelten - anfängt, ist die Pauschalisierung dieser Therapieform. Was mich selbst betrifft (diverse Angststörungen, Zwangsstörungen, Depressionen, Traumatisierungen etc. - das ganze Paket also), so war sie nur bedingt hilfreich, teilweise schien die Wirkung gar ins Gegenteil umzuschlagen.

Ich habe selbst inwzischen über die Jahre viele psychologische Aus- und Fortbildungen gemacht, um auch die "andere Seite" kennen zu lernen. Ich bin aber kein Therapeut und will auch keiner werden.

Die Konfrontationstherapie für alle gleich anzuwenden, halte ich nicht für sinnvoll. Ich rate hier niemandem etwas, sondern bitte jede und jeden, hierzu mit einem Fachmenschen (etwa Psychotherapeut oder Psychiaterin) Kontakt aufzunehmen.

Aus meinen eigenen Erfahrungen also:

Meine Eltern haben den zweiten Weltkrieg miterlebt. Zusätzlich war meine Mutter während der Schwangerschaft extremen Stress ausgesetzt. Dieser setzte sich meine ersten Lebensjahre hindurch fort. Mit vier Jahren starb ich fast an Meningitis. Meine Kindheit und Jugend war im eigenen Erleben teils extrem belastend. Mittlerweile gelte ich als schwerbindert. Gleichwohl habe ich es geschafft, über die Jahrzehnte hinweg zu arbeiten und Ausbildungen zu machen.

Auch bei mir wurde die Konfrontationstherapie angewandt, inklusive diverser Expositionen und floodings. Der Erfolg scheint schnell und kurzfristig. Scheint. Ich habe jahrelang weiterhin selbst diese Expositionen durchgeführt. Dies hat mich manchmal in beinahe traumatisierende Erfahrungen gebracht.

Warum?

Meine Theorie hierzu (basierend auf dem, was ich bisher lernen durfte sowie auf meinen eigenen Erfahrungen): Es gibt mittlerweile etliche Untersuchungen über die Auswirkungen von extremen Stress, den die Mutter erlebt, auf die Kinder sowie von derartigem Stress in den ersten Lebensjahren. Möglicherweise wird hierdurch die Hirnstruktur dauerhaft verändert - bis hin zu epigenetischen Auswirkungen (die darüber entscheiden, ob und in welcher Form Gene aktiviert oder möglicherweise sogar neu gebildet werden).

Durchlebt eine Mutter extremen Stress und erlebt das Kleinkind zusätzlich außerordentliche Belastungen, so kann es sein, dass die Psyche und der Körper bzw. das vegetative Nervensystem im Dauer-Alarmzustand sind, der sich auch nicht so einfach abstellen lässt. Epigenetische Veränderungen haben vielleicht dazu geführt, dass dem Kind mitgegeben wurde, dass das Leben gefährlich ist, es also ständig wachsam sein muss.

Dies wird sich dann wahrscheinlich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen.

Wendet man bei einem solchen Klienten pauschal die Konfrontationstherapie an und führt sie bzw. ihn bis ins Extrem ("flooding"), so kann es meiner Erfahrung nach passieren, dass das Ganze ins Gegenteil umschlägt. Das Hirn lernt dann nicht, dass es künftig einen Gang herunter schalten kann, da die Situation offensichtlich doch nicht lebensgefährlich war, sondern es merkt, dass die bestehende Erregung und der schon existierende Alarmzustand offenbar nicht genug waren. Anstatt die jahrzehntelange Überflutung mit Stresshormonen abzubauen, werden durch die zusätzliche Belastung noch mehr ausgeschüttet und vielleicht sogar Körper und Psyche dauerhaft geschädigt.

Hinzu kommen hier noch die Fälle, bei denen eine ganz andere Ursache vorliegt, bei denen die Psyche also nicht einfach nur lernen muss, mit Stress umzugehen und diesen auszuhalten, sondern tieferliegende Ursachen verantwortlich für das Leid sind. Hier mit Konfrontationen zu arbeiten, würde bedeuten, kurzfristig einen Deckel auf den Topf mit kochendem Wasser zu halten. Dies führt jedoch mittelfristig zwangsweise zu einer umso stärkeren Explosion bzw. zu noch größerem Leid.

Meine Empfehlung in solchen Situationen:

1) Unbedingt klären, ob tiefere Ursachen vorhanden sind. Dann auf die klassische Tiefenpsychologie oder ähnliches ausweichen.

2) Bei vorhandenen kindlichen Traumata oder vergleichbaren Fällen: Hier darf die Konfrontation bzw. Exposition nicht dadurch bestehen, dass man die Erregung künstlich steigert, sondern dass man ganz langsam und schrittweise der Klientin beibringt, solche Situation ruhig und gelassen zu bestehen. Hier darf die Erregung nicht noch weiter gesteigert werden, sondern ist unbedingt dauerhaft zu senken. Sprich: Der Klient ist erstmal für längere Zeit in eine ruhige Umgebung zu bringen. Von dort kann man dann beginnen, schrittweise aufzubauen, was vielleicht noch nie da war.

 

Dies ist wie gesagt kein medizinisch-therapeutischer Rat, sondern nur eine Darstellung meiner eigenen Erfahrungen. Für eine Therapie bzw. Behandlung bitte unbedingt zum Fachmenschen gehen!

Konfrontationstherapie - ein Allheilmittel?

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Seit Jahrzehnten wird die Konfrontationstherapie (auch "Exposition" oder bei der extremen Version "Flooding" genannt) als Allheilmittel gegen Ängste und Zwänge angewendet und empfohlen. Ihre Wirksamkeit wird mit Studien belegt. Kritik wird mit der pauschalen Unterstellung vom Tisch gewischt, der Therapeut hätte sie nicht richtig angewendet.

 

Also alles gut - oder nicht?

 

Ich kenne beide Seiten der Medaille. Seit Jahrzehnten habe ich Angst- und später auch (teils extreme) Zwangsstörungen. Diese wurden unter anderem in einer Tagklinik behandelt. Vor einigen Jahren bin ich auf die "andere" Seite gewechselt und habe viele praktische und theoretische Aus- und Fortbildungen im Bereich Psychologie, Psychiatrie und Neurologie gemacht. Dennoch will ich hier nur meine persönlichen Erfahrungen teilen.

 

Wirkt diese Therapieform nun oder nicht?

 

Kommt darauf an, was man unter "wirkt" versteht. Ja, es kommt in

vielen Fällen zu einer teils drastischen Symptomreduktion. Auch bei mir haben sich die Zwänge in wenigen Wochen zurück entwickelt.

Dennoch muss hier radikal umgedacht werden. Was sich hier reduziert, sind - in der Regel - die Symptome. Bei den Ursachen sieht es ganz anders aus. Ja, teils wirken die Symptomreduktionen auch auf die Ursachen zurück. Können sie das Ganze aber auch nich schlimmer machen?

 

Diesen Eindruck habe ich allerdings.

 

Ängste und Zwänge können unterschiedlichste Ursachen haben. Von genetischen oder epigenetischen Faktoren über Traumata, psychischer Überlastung, körperlichen Faktoren, Drogenmissbrauch oder nicht bewältigter innerer Konflikte (und wohl noch einiges mehr). Vieles davon traf bei mir zu. Ich kann nun behaupten, viele Therapieformen (inklusive pharmakologischer Unterstützung - also Medikamente) selbst erlebt haben zu dürfen. Gerade bei den Zwängen wirkt es sehr befreiend, wenn diese weniger werden.

Aber - und das gilt in meinem Fall sowohl für die Ängste wie für die Zwänge - ich hatte und habe teilweise das Gefühl, dass diese Expositionen zumindest langfristig das Ganze eher noch verschlimmerten. Warum? Wenn der Kochtopf überläuft, kann man erstmal mit Gewalt den Deckel drauf drücken. Dann bleibt die Suppe zunächst drin - und die Familie ist froh. Unter der Oberfläche aber brodelt es weiter...

 

So bei mir. Für mich bedeutete diese Symptomreduktion zwar erstmal eine Erleichterung (einzelne Expositionen hatten allerdings teils auch traumatische Konsequenzen, die mich weit zurückgeworfen haben), darunter aber brodelte und brodelt es weiter. Das verzögert wirkliche Heilung und bedeutete - zumindest für mich - ständige Qualen. An den Ursachen hat sich offenbar gar nichts geändert und die alleinige Reduktion der Symptome, die ja eine psychische Funktion hat und den Ursachen Ausdruck verleiht, ließ die Ursachen schutzlos ans Tageslicht treten.

 

Ich war und bin zutiefst unzufrieden mit dem gegenwärtigen Habitus, die kognitive Verhaltenstherapie bzw. die Konfrontation/Exposition mit angstbesetzten Reizen als Allheilmittel zu sehen und sich bestätigt zu fühlen, wenn die Symptome erstmal zurück gehen.

 

Wie ich das Ganze für mich gelöst habe? Zunächst einmal habe ich mich für viel Geld selbst aus- und fortbilden lassen. Ich war unzufrieden und neugierig, was für mich ein guter Motivator war.

Heute weiß ich weitaus besser, wie sich das alles bei mir eintwickelt hat, wo ich eingreifen kann und sollte und wo nicht.

 

Vor allem aber bin ich weg gekommen von dieser unseligen Klassifizierung nach ICD-10, die auch die Grundlage für die Abrechnungen mit den Kassen liefert.

 

Ein Beispiel: Wenn du eine Blinddarmentzündung hast und allein im Wald stehst, hast du immer noch eine Blinddarmentzündung, die schnell zum Tod führen kann. Wenn du eine psychische Störung nach ICD-10 hast und alleine im Wald stehst, bist du dann immer noch "krank"?

 

Die Kriterien, die zur Definition von psychischer Störung herangezogen werden, stehen meiner Meinung nach auf sehr wackligen Beinen.

 

Nein, ich sage nicht, alle sollen nun aufhören, vewrordnete Tabletten zu nehmen und nicht mehr zum Arzt oder Therapeuten gehen. All das hat durchaus seinen Nutzen.

 

Was ich sage, dass hier ein grundsätzliches Umdenken erforderlich ist, das ich jedoch noch nicht mal ansatzweise erkennen kann.

Ein weiteres Beispiel: Ohne das, was heute oftmals als "psychische Störung" definiert wird, wäre vieles in der menschlichen Entwicklung so vielleicht nicht oder erst viel später möglich gewesen. Eventuell wäre sogar die Evolution an sich anders verlaufen. Es sind diese "speziellen" (ich sage nicht "besseren"!) Menschen, die auf Ideen und Problemlösungen kommen, die andere nicht einmal vermuten würden. Menschen mit einem ungewöhnlichen Potential.

 

Ich sehe mich nicht als "krank" oder "gestört". Ich arbeite, leiste meinen Beitrag zur Gesellschaft - und vor allem lebe ich. Ohne Stempel, ohne Schublade.

 

Ganz einfach ich.

 

Robert Gollwitzer

www.robert-gollwitzer.com

 

(Weiterveröffentlichung als Ganzen nur mit Angabe des Autors und des Links gestattet)

Psychische Störung?

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Der Begriff "psychische Störung" und alle damit verwandten Begriffe sind in meinen Augen wenig hilfreich. Zur Definition werden Kriterien wie statistische Seltenheit, Verletzung von sozialen Normen, persönliches Leid, Beeinträchtigung der Lebensführung oder unangemessenes Verhalten angeführt. Allein die Aufzählung zeigt schon auf, dass hiermit mehr Fragen als Antworten verbunden sind. Ist ein Mensch, der allein im Wald steht, psychisch gestört? Was ist "unangemessenes Verhalten"? Wer bestimmt die Unangemessenheit? Bedeutet "persönliches Leid" automatisch, dass eine Störung vorliegt? Bedeutet umgekehrt das Nichtvorhandensein persönlichen Leids, dass keine Störung vorliegt? Ist die Tatsache, dass etwas statistisch selten ist, ein Kriterium für Gesundheit oder Krankheit oder für Störung oder Normalität? Bedeutet die Beeinträchtigung der Lebensführung zwangsweise, dass eine psychische Störung vorliegt? Bedeutet Selbst- oder Fremdschädigung, dass eine psychische Störung vorliegt oder sind sie ganz einfach eine bestimmte Form des Verhaltens, das bestimmte Konsequenzen nach sich zieht?

Tatsächlich waren "psychische Störungen" wohl mitursächlich für die menschliche Evolution. Ohne sie hätte es wohl nicht immer einen Grund für eine Weiterentwicklung der Menschheit oder für neue Erfindungen gegeben. Diese "Störungen" eröffneten neue Perspektiven und Herangehensweisen.

Anstatt den ICD-10 (oder bald -11) oder den DSM auswendig zu lernen und als Grundlage für eine "Therapie" zu machen, würde eine komplett neue Sichtweise menschlichen Empfindens und Verhaltens auch komplett neue Möglichkeiten des Umgangs hiermit eröffnen.

Allheilmittel Konfrontationstherapie?

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Die Konfrontationstherapie wird ja schon fast als Allheilmittel bei Angst- und Zwangsstörungen gepriesen. Zweifellos ist sie in deren Therapie ein sehr hilfreiches und wirksames Werkzeug.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung (ich habe seit vielen Jahren beides) kann ich folgendes dazu sagen:

 

- Sie ist EIN Werkzeug, keinesfalls aber ein Allheilmittel, das immer und überall eingesetzt werden kann und soll.

- Es wird manchmal behauptet, sie "programmiere" das Gehirn neu, sodass es lernt, bei bestimmten Situationen nicht mehr Stresshormone auszuschütten. Dem kann ich nur begrenzt beipflichten. Ja, dieser Effekt trat des öfteren ein. Keineswegs aber immer. Selbst wenn ich bis zum "bitteren Ende" durchgehalten habe, war das Resultat nicht automatisch immer, dass es das nächste Mal viel leichter ging. Manchmal trat das Gegenteil ein: Eine beinahe traumatische Erfahrung, die mich nicht etwa einen Schritt vorwärts, sondern 50 zurück warf.

- Selbst wenn der gewünschte Effekt eintrat, hatte ich kurz- mittel- und langfristig regelmäßig den Eindruck, dass hier keineswegs die Ursache, sondern lediglich die Symptome bekämpft wurden. Faktoren, die möglicherweise zur Entstehung der Störungen beigetragen haben, sind - wenn überhaupt - nur sehr eingeschränkt angegangen worden: Schädliche Glaubenssätze und/oder Bewertungen, Traumata, neurologische Veränderungen, Missbrauch, Gene, Krankheit, Unfall etc.

- Eine Trainerin in einem Fitness-Center hat mir mal gesagt: "Aus einem Rehpinscher kann man eben keine Bulldogge machen" (ähem...). Übertragen auf Angst- und Zwangsstörungen (und möglicherweise auch weitere Erkrankungen) bedeutet das, dass eine Besserung nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich ist. Den Patienten darüber hinaus bewegen zu wollen, hat meiner Erfahrung nach keinen positiven, sondern einen sehr negativen Effekt, der den gesamten bisherigen Erfolg in einem Augenblick null und nichtig machen kann.

- Oft genug hatte ich den Eindruck, die Wissenschaft ist bei der Behandlung dieser Störungen mittels Psychotherapie und Medikamenten noch in den Kinderschuhen. Offenbar hat man kaum eine Vorstellung davon, was sich im Gehirn des Patienten dabei abspielt, was Symptom und was Ursache ist sowie warum ein Werkzeug oder Medikament wirkt und warum nicht. Da wird standardmäßig dieselbe Phrase bei jeglicher Erkrankung heruntergeleiert (genetische Veranlagung in Verbindung mit Umweltfaktoren), die in ihrer allgemeinen Darstellung weder dem Klienten noch dem Therapeuten hilft.

- Der Patient ist Experte seiner/ihrer Erkrankung. Vielleicht wäre es besser, ihm/ihr zuzuhören, als automatisch nach Lehrbuch vorzugehen? Eine Größe passt eben nicht für alles.

 

15.12.2019

Robert Gollwitzer

www.nervenstark.org

 


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